live 20170821 01Irgendwie ist es schon so eine Art Ironie des Schicksals, dass es gerade die beiden Bands CALIBAN und KORN sind, die nach fast 3-monatiger Konzertpause (was Rock & Heavy Metal angeht), den Wiedereinstieg liefern, zwei Bands, die mir weder musikalisch besonders viel geben noch bedeuten. Sicherlich war auch eine gewisse Portion Neugier dabei, sich dieses Package an einem Montagabend anzuschauen und sicherlich war es auch ein Stück weit das Nutzen einer einmaligen Chance, denn eine Ami-Band wie KORN spielt normalerweise maximal die vier, fünf großen Städte in Deutschland und da gehört Saarbrücken nicht dazu.

Einer der Erfinder des Nu Metals und damit gleichzeitig auch eine der verhassteren Bands der Old-School-Metalfans nutzte die schöne Gelegenheit, neben ein paar europäischen Festivals auch einige wenige Headlinershows zu spielen, bei einer Band wie KORN sind die Unterschiede zwischen einem Festival- und einem Headlinergig sowieso nur marginal. Ausverkauft war die Saarlandhalle mit vielleicht 2500, vielleicht auch 3000 Zuschauern bei weitem nicht, optisch sah es in der altehrwürdigen Halle aber zumindest auch nicht halbleer aus und man hatte als Besucher zu jedem Zeitpunkt die Möglichkeit sich auszutoben oder sich einfach nur die Show anzuschauen.

Interessant war da auch tatsächlich, dass das Publikum bunt gemischt war, von Teenagern bis hin zu Kutten tragenden Metallern war alles dabei, der Großteil werden aber die Leute gewesen sein, die zwischen 1996 und 2002, als KORN stark in den Fokus der Nu Rock/Metal Szene rückten, ihre Jugendjahre verbracht haben und irgendwie gehöre ich altersmäßig auch zu dieser Gruppe und kann mich noch gut an die Videoclips zu „Freak On A Leash“ und „Got The Life“ erinnern, die damals im Musikfernsehen rauf und runter gelaufen sind.

CALIBAN
Auf die Minute genau pünktlich durfte die deutsche Band CALIBAN den Abend mit einem 45-minütigen Supportgig eröffnen, den die Band aber in allen Belangen so gestaltete als sei man Headliner. Mir persönlich wäre natürlich eine Ami-Alternative-Rockband wie HALESTORM oder THE PRETTY RECKLESS als Support lieber gewesen, aber was soll’s, CALIBAN sind hierzulande durchaus eine größere Nummer und zusammen mit HEAVEN SHALL BURN quasi die einzigen vollständig Überlebenden der Metalcorewelle, die vor circa zehn Jahren ihren Höhepunkt hatte. Wenn man mal überschlägt haben CALIBAN inzwischen auch bereits zehn Studioalben veröffentlicht, das ist für eine Band, die immer noch als jung und hip gilt, eine stolze Zahl, damit hatten die fünf Burschen quasi die Qual der Wahl was die Setlist anging. Man spielte natürlich einige Songs von der aktuellen Platte „Gravity“, mit der man im April bereits in der Garage in Saarbrücken zu Gange war, und auch noch ein paar andere Songs, die ich jetzt nicht unbedingt einem ganz bestimmten CALIBAN Album zuordnen kann. Sachen von den ersten paar Alben kamen nicht so wirklich zum Zuge, neun oder zehn Songs sind natürlich auch nicht gerade viele, wenn man sich als Band präsentieren möchte.

CALIBAN machten trotzdem das Beste draus und ich muss schon sagen, der komplette Gig war richtig fett, wenn man das so sagen darf. Der Sound drückte ungemein heftig, die Band wirkte motiviert, sicherlich auch weil man das eigene Bühnenbild nutzen durfte, die Lightshow war astrein und zur knallharten Musik passend, wenngleich mir wieder einmal bewusst wurde, dass der übertriebene Einsatz von stroboskopartigem Licht mehr nervt als nützt.
Kehrseite dieses Soundoverkills war natürlich ähnlich wie bei dem ARCH ENEMY Konzert in diesem Jahr, dass die musikalischen Feinheiten auf der Strecke blieben, man hörte viel Bass, viel Schlagzeug, die Gitarren gingen dabei hingegen ziemlich unter, auch der Gesang von Andreas Dörner hätte ruhig noch etwas weiter im Vordergrund stehen können. Die cleanen Backing Vocals des Gitarristen (Denis Schmidt?) waren übrigens eine Katstrophe, das kann man auch gar nicht beschönigen.

CALIBAN nutzten logischerweise 45 Minuten lang die große Bühne, forderten zweimal zur Wall Of Death auf, den ein oder anderen Circle Pit soll es wohl auch gegeben haben, auch auf den Boden setzen sollten sich die Zuschauer für einige Momente, was für ein Käse, CALIBAN ist sicherlich nicht meine Musik, aber diesen Gig konnte man sich durchaus gut anschauen.

KORN
Nachdem CALIBAN so pünktlich wie sie begonnen auch wieder aufgehört hatten, ließen die Amis ihre Fans anschließend 30 bis 40 Minuten warten, bis es endlich mit einem neuen Stück („Rotting In Vain“) losging und was soll man sagen? Die Warterei hatte sich definitiv gelohnt, denn KORN boten nicht nur optisch einen superben und zweckmäßigen Bühnenaufbau, sondern auch der Sound sollte um einiges besser sein als bei CALIBAN. Es war leiser, das war schon einmal gut, und der Sound war viel besser gemischt, man konnte jedes Instrument gut hören, positiv machte sich auch, dass KORN live einen Keyboarder dabeihatten, der etwas verloren am Bühnenrand sein Werk vollbringen durfte, so als würde er gar nicht zur Band dazu gehören.
Trotzdem ein positiver Aspekt, ausgesprochen positiv gestaltete sich auch die toll inszenierte Lightshow der Band, man hatte eigentlich eher erwartet, dass sich die Band eine Stunde lang im nebligen halbdunkel präsentieren würde, aber es kam genau umgekehrt, die Bühne war gut ausgeleuchtet, so konnte man der Band gut und ausgiebig beim Spielen zuschauen.

Vom technischen Aspekt her kann man da bei KORN auch gar nicht meckern, die Saitenfraktion um „Fieldy“ am Bass und „Munky“ und „Head“ an den Gitarren haben das, was man unter Nu Metal versteht, perfektioniert und ganz besonders gefreut habe ich mich darauf, Ray Luzier am Schlagzeug beobachten zu dürfen, der ein ganz eigenes Spiel besitzt, mit dem er den Stil der Band seit seinem Einstieg beeinflussen konnte. Fehlt noch Jonathan Davis, dessen Ansagen zuweilen etwas kindisch ausfielen, der gesanglich mit seiner Mischung aus Gejammer, Geschrei und Gemurmel aber voll auf der Höhe war und wie immer stolz seinen Mikroständer präsentierte…geiles Teil, würde ich mir auch ins Wohnzimmer stellen.

Dass die Band die elektronischeren Sachen, die man zwischen 2007 und 2011 aufgenommen hat, live ignorieren würde, davon konnte man ausgehen, insgesamt stellten KORN eine Best-Of Setliste mit ein paar Nummern vom aktuellen „The Serenity Of Suffering“ Album zusammen, die sich prima integrierten. Da dürfte kaum jemand etwas zu meckern gehabt haben und da wunderte es dann auch kaum, dass das Stimmungslevel bei den Leuten vom zweiten Songs „Falling Away From Me“ bis hin zur letzten Zugabe „Freak On A Leash“ super war. Ich habe in den letzten zwei Jahren einige Metalkonzerte in der Saarlandhalle besucht, unter anderem SABATON, AVANTASIA, MOTÖRHEAD und bei keinem herrschte so eine ausgelassene und ansteckende Stimmung wie bei KORN, selbst am Rande des Geschehens, wo man normalerweise ganz in Ruhe ein Konzert schauen kann, tobten und sprangen die Leute.

Die Band machte aber auch wie bereits gesagt sehr viel richtig, wenn man nicht gerade die Erwartung hatte, dass es hier und heute lange nicht mehr gespielte Songs geben oder dass die Band gute zwei Stunden spielen sollte. Das tat sie bei weitem nicht, nach plus/minus 80 Minuten und 17 Songs inklusive eines kurzen Covers von „We Will Rock You“ (QUEEN), integriert in die eigene Nummer „Coming Undone“ war’s schon wieder vorbei. Normalerweise würde ich das kritisieren, hier tue ich es nicht, denn erstens wusste man vorher, dass man von KORN nicht mehr bekommen würde und zweitens war der Gig so intensiv und gespickt mit weiteren Hits wie „Shoots And Ladders“ (endlich mal ein Dudelsack zu sehen ohne dass SUBWAY TO SALLY in der Nähe sind), „Somebody Someone“ und natürlich „Blind“, dass das echt reichte und man zufrieden den Weg nach Hause antreten konnte, ich sowieso, denn wie anfangs erwähnt, hatte ich nicht so viel von diesem Konzert erwartet, aber insbesondere die Lightshow und die Performance von Ray Luzier werden in Erinnerung bleiben.

Abschließende Anmerkung in eigener Sache: Leider muss dieser Konzertbericht ohne Bildmaterial auskommen, da das Neckbreaker Magazin von Seiten des Tourveranstalters Live Nation keine Genehmigung zum Anfertigen von Bildern bekommen hat. Ein großer Dank geht in diesem Zusammenhang an den örtlichen Veranstalter Saarevent für die unkomplizierte Zusammenarbeit. (Maik)

live 20170821 02

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