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Eine der absoluten Konstanten in der deutschen Musiklandschaft ist zweifelsohne der Gitarren-Held AXEL RUDI PELL. Seine Karriere begann er Anfang der Achtziger bei STEELER mit denen er vier Alben veröffentlichte. Diese Formation gehörte damals zur Speerspitze der ersten großen Welle an heimischen Metalbands, die nach dem Erfolg von ACCEPT auftauchten. Nach deren Split 1989 startete er unter eigenem Namen durch, verließ aber nach zwei Alben die NWOBHM-lastigen Klänge seiner früheren Truppe um sich dem traditionellen Heavy-Rock der DIO/RAINBOW-Kategorie zu widmen.
Damit und mit seinem klassisch angehauchten Spiel avancierte er zum legitimen Erben von Ritchie Blackmore, der das Feld für sein folkloristisches Faible freiwillig preisgab. Seit der Zeit musste AXEL RUDI PELL ein paar Mal seine Mannschaft umbauen, steuerte aber sein Schiff gekonnt an allen Trendklippen vorbei. Das brachte ihm eine treue Anhängerschaft ein, die auch fast jährlich mit einer neuen Veröffentlichung bedient wird. Nach der Jahrtausendwende ging es mit stabilem Line-Up um den Sänger Johnny Gioeli mit der Erfolgskurve weiter nach oben. Das soll sich auch mit dem neuen Opus „Tales of the Crown" nicht ändern, welches demnächst in den Läden steht.

Nach einem verhältnismäßig kurzen Intro, welches zum Opener „Higher“ gehört, kommt gleich die erste kleine Überraschung. Man legt nicht wie gewohnt nach einer ausladenden Gitarrenspielerei mit einer Up-Tempo-Nummer los, sondern startet eher verhalten in schleppendem, dennoch treibendem Tempo. Für ein Eröffnungsstück vielleicht nicht die richtige Wahl, da nicht catchy genug.
Etwas flotter geht es dann bei „Ain´t gonna win“ zu, eigentlich eine typische AXEL RUDI PELL-Hymne. Doch nach dem Refrain wird einem klar, dass die Sechssaitige auf dem neuen Dreher ein Stück tiefer gelegt wurde. Der Riff, der als Bridge dient ist für seine Verhältnisse recht modern, der akzentuierte Rhythmus ebenso.
„AXEL goes Future“ könnte man annehmen, doch ganz so schlimm ist es beileibe nicht. Die Musik ist immer noch eindeutig als ein Werk des Ruhrgebiet-Gitarrengottes einzuordnen. Dazu sind die Neuerungen durchaus beabsichtigt, aber eben nur in dem Maße, dass die Identität nicht verloren geht. So kracht die Axt des Meisters ein Stück weit dominanter als bisher, drängt die atmosphärischen Keyboards von Ferdy Doernberg ein wenig in den Hintergrund. Wenn diese dann kommen schneiden sie umso direkter ein wie bei „Crossfire“ oder dem düsteren Titeltrack.

Das folgende „Angel Eyes“ kommt sogar mit einem amtlichen SCORPIONS-Groove daher. Doch trotz der vermehrten Gitarrenpower bewegt sich „Tales of the Crown“ meist im Mid-Tempo-Bereich, lediglich bei „Buried alive“ ballert die Double-Bass von Mike Terrana los. Dieser zeigt abermals wieder eine klasse Leistung auf der Scheibe, treibt die Songs mit seiner unglaublichen Wucht nach vorne.
AXEL RUDI PELL selbst zeigt sich wie immer von seiner besten Seite, stellt sein gefühlvolles Spiel immer in den Dienst der Kompositionen, vor allem bei Balladen wie „Touching my Soul“. Dazu kredenzt er uns ein Fass voll knackiger Riffs, aber auch das ist man von ihm ja gewohnt. Bei „Emotional Echoes“ darf er sich auch in einem Instrumental austoben. Doch auch diese Nummer kommt durch die melodieführende Lead-Gitarre über einen leichten Reggae-Anklang mit einer klaren Songstruktur daher.

Also doch alles wie gehabt in Wattenscheid, wenn auch „Tales of the Crown“ nicht das beste Werk der mittlerweile eingespielten Truppe ist. Im Gegensatz zum etwas handzahmen Vorgänger „Mystica“ singt Goldkehlchen Johnny Gioeli dafür wieder umso stärker. Überhaupt ist handwerklich alles wieder auf höchstem Niveau, hier sind ausnahmslos Könner am Werk. Klar ufern so manche Arrangements wieder etwas aus, doch selbst das gehört irgendwie dazu.
Im besten Sinne grundsolide Kost mal wieder wie fast jedes Jahr. Fans wird der neueste Longplayer wieder viel Spaß bringen, zumal die Produktion mächtig ballert. An die paar kleinen Neuerungen werden sich die Anhänger genauso schnell gewöhnen wie der Evian-Trinker an Leitungswasser. (MetalPfälzer)

 

Bewertung: 8 / 10

Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 60:23 min
Label: Steamhammer/SPV
Veröffentlichungstermin: 24.10.2008

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