motorpsycho-here be monstersDie Jungs machen es einem wirklich nicht einfach. Wenn man meint, man hat einen ungefähren Einblick in die Welt von MOTORPSYCHO gefunden, dann kommen sie nicht nur mit einem weiteren Album daher, sondern auch noch mit einem Album, das wieder so viel Musik in sich birgt, dass man sich wiederum sehr intensiv damit auseinandersetzen muss, da es wieder so viel Neues und Unbekanntes beinhaltet. Aber das macht man natürlich als Liebhaber auch gerne. „Here Be Monsters" kommt kaum ein Jahr später nach dem Best-Of „Supersonic Scientists" daher, und wieder kommt ein dreiviertelstündiger Batzen motorpschodelischer Musik auf uns zu, und dieses Mal ist es, man sollte es kaum ahnen, wieder alles ganz anders.

Das Gerüst und der Auslöser der Musik auf diesem Album war eigentlich für das Jubiläum des norwegischen Technikmuseums vorgesehen, komponiert von Keyboarder Ståle Storløkken und dann über die Zeit hinweg von den anderen Musikern ausgebaut und verfeinert. Den Reifeprozess in diesem Album kann man förmlich spüren, denn ein solches Werk schreibt man nicht gerade mal über Nacht auf dem Klo, auch nicht, wenn man ein begnadeter Musiker ist, so wie es die Jungs von MOTORPSYCHO allesamt von sich behaupten können.

Sieben Titel, gefüllt mit diversen Sounds, viele vom Keyboard, dabei mit lediglich akzentuiertem Gesang, hauptsächlich zweistimmig und episch, aber in der Grundhaltung instrumental geschwerpunktet. Eine Melange aus Rock, Fusion, Jazz, Blues, Noise und Ambience fallen hier über den Hörer her, bei aller Ruhe und Gediegenheit wird man hier erst mal überfahren. Trotz bekannter Ansätze erscheint alles neu und ungehört, trotz aller psychedelischen Grundeinstellung kommen hier immer wieder neue musikalische Spitzen heraus, die auch erfahrene Fans und Liebhaber an den Rand des Musikverständnisses bringen. Aus der dominierenden Ruhe wird kurzzeitig ausgebrochen, und dann auch um so heftiger, die Gesangslinien treffen trotz ihrer Marginalität direkt ins Erinnerungszentrum und brennen sich fest. Die Melodien, ob ruhig oder wild, laufen im Hintergrund ständig mit jedem Tag ab, und der Drang, wieder und wieder in „Here Be Monsters" reinzuhören gleicht schon fast einem Suchtverhalten.

Auch wenn es hierbei aus den eigenen Reihen als Kopfhörermusik beschrieben wird, so liegt man zu Easy Listening doch sehr weit entfernt. Man muss sich intensiv mit der Musik beschäftigen, hier muss jede Nuance an musikalischen Farben aufgenommen und verarbeitet werden.
Auch wenn ich beileibe nicht anmaßend behaupten will, ich hätte das Album in seiner Komplexität erfasst und verstanden, so muss ich doch ein weiteres Mal festlegen, dass das Genie dieser Band nur durch intensives Zuhören komplett erkannt werden kann. Wenn man sich schon beinahe mit Koryphäen wie PINK FLOYD auf eine Stufe stellen kann, wird ungefähr klar, was MOTORPSYCHO hier wieder abgeliefert haben. Bei „Here Be Monsters" erkennt man sich wieder, seine eigenen Gefühle, seine inneren Stimmen und Emotionen, sein Leben, seine Welt. Nicht auszudenken, wenn diese Musik nicht ohne Bewusstseinserweiterung konsumiert wird. Meine Hochachtung. (Jochen)


Bewertung:

Jochen9,0 9 / 10


Anzahl der Songs: 7
Spielzeit: 46:15 min
Label: Stickman Records
Veröffentlichungstermin: 12.02.2016

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