axelrudipell intothestorm

Mehrfach-Wertungder Redaktion

Es hat sich etwas getan im Lager des Wattenscheiders. Nachdem man seit The "Masquerade Ball" die Besetzung konstant halten konnte, musste man nun erstmals wieder einen Abgang hinnehmen. Schlagzeuger Mike Terrana verließ die Hardrocker, um sich anderen Projekten, unter einem einer eigenen Band zu widmen. Dabei schien die Truppe nun endlich stabil, nachdem es ja im ersten Jahrzehnt der Solokarriere von AXEL RUDI PELL ein munteres Rein und Raus gab. Doch mit Johnny Gioeli als Frontmann schien 1998 Konstanz in die Formation zu kommen, und als ein Jahr später der zweite Amerikaner dazu stieß war das so lange währende Line-Up komplett. Als Nachfolger konnte das Blondchen allerdings seinen, ebenfalls aus den Staaten stammenden Wunschkandidaten verpflichten. Bobby Rondinelli gelangte bei niemand geringeren als Pells großem Vorbild Ritchie Blackmore und dessen RAINBOW zur Ruhm und Ehren. DORO, BLACK SABBATH und BLUE ÖYSTER CULT waren nur einige seiner weiteren Stationen. Wie wird nun "Into The Storm", das erste Album mit ihm klingen?

Da fragte mich doch letztens ein Freund, wie sich denn eben diese Scheibe anhören würde, wenn ich sie ja schon vorab hören kann. Da wurde mir irgendwie bewusst, dass es schwer ist ein Werk von AXEL RUDI PELL zu beschreiben, denn frei nach der Mutter von Forrest Gump ist es quasi die Antithese zu einer Schachtel Pralinen. Da was man einfach, was man bekommt, deutsche Wertarbeit sozusagen. Das mag zwar auf der einen Seite höchst unspannend sein, aber die Gewissheit kaum enttäuscht zu werden, ist auch wieder etwas wert. Denn wo der Name des Gitarristen drauf steht, da ist eben genau ein Strauß neuer Songs drin, die eindeutig seine Handschrift tragen. Und um es vorweg zu nehmen, das ist auch bei seinem mittlerweile fünfzehnten Album nicht anders.

Wie könnte es also anders losgehen als mit einem Intro, die immer mal mehr, mal weniger hochtrabende Titel haben? Das fanfarenhafte "The Inquisitorial Procedure" gehört sicherlich zu der ersten Kategorie. Mit gar nicht mal so viel Dampf wie gewohnt startet der Songreigen, denn in der Vergangenheit drückten die Opener fast alle mehr nach vorne als "Tower Of Lies". Dennoch gehört die Nummer mit dem treibenden Riff zu den schnellsten auf Into The Storm". Fast ebenso typisch folgt mit "Long Way To Go" ein Stadionrocker in der Tradition von "Cold Heaven" und "Rock The Nation". Von offenen Akkorden eingeleitet, bedächtig beginnend, steigert sich das Lied in der Bridge zum raumgreifenden Refrain.

Alles wie gehabt? Ja! Zu sehr alles wie gehabt? Wie der weitere Verlauf der Scheibe zeigt, leider ja. Gab es auf dem Vorgänger noch ein paar Ausflüge wie die akustischen Folkgitarren, die den Titelsong in Richtung LED ZEPPELIN schauen ließen, so bleibt der gute Axel hier in einem sehr engen Rahmen. Einzig mit den Hammondparts in "Burning Chains" bringt er etwas Farbe ins Spiel. Doch das sind nur Tupfer, denn das Stück klingt dadurch noch mehr nach RAINBOW, ohnehin die Hauptinspirationsquelle für AXEL RUD PELL.
Natürlich hat sich der Meister schon immer als Meister der Selbstzitate erwiesen, und er tut auch gut daran seine Linie nicht zu verlassen. Denn etwas anderes wollen seine Fans nach dreißig Karrierejahren auch nicht von ihm hören, ein wenig mehr Mut wäre hier aber nicht verkehrt gewesen. Das angesprochene Manko hat er immer durch starke Kompositionen ausgleichen können, und hier kann er einfach nicht die ganz große Klasse abrufen. 

Schwach ist definitiv anders, aber in der Vergangenheit gelangen die Melodiebogen zumeist ein bisschen besser. Lediglich bei "Touching Heaven" schuf man ein paar schöne Wendungen, die auch von der Arbeit des Neuzugangs Rondinelli profitieren. Im Gegensatz zum immer druckvollen und harten Spiel Terranas agiert der Altmeister eher geschmackssicher, songdienlich und weniger spektakulär. Ebenfalls nicht ganz an sein Leistungsvermögen kommt der ansonsten zuverlässige Johnny Gioeli heran, der manchmal etwas kratzig wirkt. Doch all diese Kritikpunkte fallen nicht so gravierend aus, "Into The Storm" dürfte keinen Fan enttäuschen und gibt der Konkurrenz immer noch eine Aufgabe auf. Immer noch deutsche Wertarbeit, wenn man auch in der Stahlschmiedekunst schon glänzendere Produkte gesehen hat. (Pfälzer)

Bewertung: 7 / 10


Anzahl der Songs: 10
Spielzeit: 58:00 min
Label: Steamhammer/SPV
Veröffentlichungstermin: 17.01.2014

Wertung der Redaktion
David Jannick Dennis Maik Anne Andreas Pascal
5,5 8 8 7 7 7,5 7
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Pfaelzers Avatar
Pfaelzer antwortete auf das Thema: #11734 3 Jahre 10 Monate her
Falsch machen kann man damit sicher nichts, aber aktuell verläuft die Kreativitätskurve stetig nach unten. Mal sehen, wie lange das so weitergeht, vielleicht wäre auch mal ein wenig mehr reifen lassen eine Idee.

Und um Rondinelli live mache ich mir gar keine Gedanken, habe ich schon öfter gesehen, eine absolute Koryphäe.
Jannicks Avatar
Jannick antwortete auf das Thema: #11728 3 Jahre 10 Monate her
Gut, die Überraschungen halten sich tatsächlich in engen Grenzen, aber dennoch hört man derart gut gemachten Metal der etablierten Art nur noch selten. Die Gitarrenabreit ist griffig, der Gesang fesselnd und das Gesamtkonzept stimmig. Dazu kommt, dass die Musik, wie von dieser Band nicht anders gewohnt, einerseits Readioqualitäten hat, andererseits auch eingefleischten Metallern gefällt. Mit so einem Album kann man schlicht und einfach nichts falsch machen. Hab ich gerne in der Hinterhand:)
Denniss Avatar
Dennis antwortete auf das Thema: #11720 3 Jahre 10 Monate her
Dennis: Für mich wieder mal ein hervorragendes und im besten Sinne herrlich altmodisches Album. Fräst sich direkt in den Gehörgang und verlässt diesen so schnell nicht wieder. Terrana vermisse ich nicht wirklich, Rondinelli macht den Job hinter der Schießbude hervorragend, es wird sich noch zeigen, wie er live drauf ist, aber da habe ich keine großen Ängste. Starkes Album, das Pell-Fans absolut zufriedenstellen dürfte.

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