judasPriest Album small

mehrfach-soloEndlich ist es soweit, die neue Langrille von JUDAS PRIEST rotiert im Player, für jeden JUDAS PRIEST-Fan mit Sicherheit eine ganz besondere Freude. Zumal nach dem Ausstieg von Gründungsmitglied K.K. Downing nicht wirklich sicher war, ob nach der „Epitaph"-Tour ein weiteres Album kommen würde. Sein Ersatz Richie Faulkner konnte sich live bereits beweisen und wirkt auf den Rest der Band wohl wie eine Frischzellenkultur. Jedenfalls war auf den Konzerten bereits zu merken, dass JUDAS PRIEST wieder wesentlich mehr Spaß auf der Bühne haben. Jedenfalls im direkten Vergleich zur letzten Tournee zum Opus „Nostradamus", das nicht überall mit offenen Armen empfangen wurde. Doch können JUDAS PRIEST ohne das sehr erfolgreiche Songwriter-Dreigespann Tipton/Downing/Halford überhaupt gute Songs zustande bringen? Nicht nur die Fans dürften auf diese Antwort gespannt sein.

So schwierig und komplex wie der Vorgänger „Nostradamus" ist „Redeemer Of Souls" nicht geworden. Bereits der relativ starke Opener „Dragonborn" macht dies deutlich. Ein eingängiger Song mit typischen JUDAS PRIEST-Trademarks, der durch seinen simplen Refrain direkt ins Ohr geht. So gut wie der Opener von „Angel Of Retribution" ist der Track allerdings nicht, „Judas Rising" konnte bereits durch die anfangs hohen Screams von Halford glänzen, auf „Redeemer Of Souls" hält sich der „Metalgod" damit eher zurück. Der Titeltrack „Redeemer Of Souls" überzeugt ebenfalls durch einen starken Refrain, der allerdings ein wenig an die Epik von „Nostradamus" erinnert. Beim anschließenden „Halls Of Valhalla" gibt es den ersten richtigen Halford-Scream, und auch wenn dies nicht das einzige Markenzeichen von JUDAS PRIEST ist, ist es doch eines der genialsten. Auch sonst werden hier alle typischen Priest-Standards aufgefahren, sowohl die Lead-Melodien als auch die Riffs erinnern an vergangene Großtaten. Dass sich JUDAS PRIEST mit der nordischen Mythologie beschäftigen ist hingegen eine Premiere, eine Premiere, die ihnen aber gut steht, für mich der erste richtige Höhepunkt des Albums. An „Sword Of Damocles" werden sich sicherlich die Geister scheiden, mich erinnert der Song ein wenig an „Come And Get It" oder auch „I´m A Rocker". Ein ziemlich untypischer, fast schon tanzbarer Rhythmus zieht sich durch den gesamten Track, ergänzt durch einen „One Shot At Glory"-artigen Refrain.

Ähnlich wie bei „Redeemer Of Souls" wurde auch „March Of The Damned" bereits vorab im Internet veröffentlicht und sollte somit einigen bereits bekannt sein. Der stampfende Rhythmus lässt den Song zwar gut ins Ohr gehen, allerdings klingt der Gesang von Rob Halford ausgerechnet hier sehr zurückhaltend. Dennoch ein guter Ohrwurm, den man auch ein paar Tage nach dem Hören hin und wieder im Gedächtnis hat. „Down In Flames" beginnt mit einer kurzen Gitarrenmelodie, bevor sich die beliebten – (Tipton/Downing Moment Tipton/Faulkner-Riffs) - durchsetzen. Gegen Ende gibt es hier auch endlich eine Art „Lead-Guitar-Duell". Ein Track, der auch auf „Ram It Down" gut gepasst hätte, aufgrund der eher untypischen Melodie aber durchaus ein paar Durchläufe benötigt. Mit „Hell & Back" folgt einer meiner Favoriten des Albums, nach dem ruhigen Intro und einem kurzen Basslauf vom letzten verbleibenden Gründungsmitglied Ian Hill, entwickelt sich der Song zu einer richtigen Dampfwalze. Getragen von einem einzigen treibenden Gitarrenriff und einem simplen Refrain wird der Song erst gegen Ende schneller, an welchem die Twin-Guitar-Melodie ein weiteres Mal die gute Zusammenarbeit von Neuzugang Richie Faulkner und Glenn Tipton unterstreicht. „Cold Blooded" erinnert, nicht nur aufgrund des Namens, ein wenig an „Blood Red Skies", man taucht vollständig in die Atmosphäre des Songs ein. Der prägnante Rhythmus der Bridge, ist hier sehr speziell, wodurch der Song auch Einiges an Abwechslung bietet. „Painkiller"-Fans werden an „Metalizer" ihre wahre Freude haben, bereits das Intro des Songs zielt voll und ganz auf den großen Klassiker der Band ab. Parallelen sind hier fast nicht zu leugnen. Allerdings gelingt das Vorhaben meiner Meinung nach nicht ganz, obwohl „Metalizer" ein starker Song ist, wirkt er doch ein wenig zu sehr gewollt. Schön hingegen ist, dass Rob Halford hier sein ganzes Stimmspektrum zeigt und damit auch anno 2014 beweist, welch grandioser Sänger er nach wie vor ist. Auf ihrer „Epitaph"-Tour, der „letzten" Welttournee", haben JUDAS PRIEST von jedem ihrer Alben Songs gespielt (die Ripper-Phase ausgenommen). Dadurch kamen auch ganz frühe Stücke von „Rocka Rolla", wie „Never Satisfied" zum Zug. Mit „Crossfire" hat die Band nun auch auf dem aktuellen Album endlich wieder eine gelungene Blues-Nummer mit Metalanstrich stehen. Sicherlich nicht jedermanns Geschmack, aber eine gelungene Nummer, die dem Album ein wenig Abwechslung gibt. Gerade für Gitarristen dürfte dieser Track besonders interessant sein. Dramatisch wird es beim anschließenden „Secrets Of The Dead", keine schlechte Nummer, aber auch keine allzu spektakuläre. Stilistisch erinnert das Ganze sehr an „Lochness" von „Angel Of Retribution", gegen Ende gibt es außerdem eine zusätzliche Portion Dramatik und Rob Halford glänzt durch seinen Gesang einmal mehr. Auch bei „Battle Cry" ist dies der Fall, hier gibt es ebenfalls so manchen hohen Scream vom „Metalgod" zu hören, auch die Gitarrenmelodien und Riffs sind amtlich. Den Abschluss macht die Ballade „Beginning Of The End" - mit Abstand die stärkste Ballade seit „Night Comes Down". Ein absolut grandioser Abschluss für die womöglich letzte Platte einer der Gründungsväter des Heavy Metal.

Das größte Problem bei „Redeemer Of Souls" ist der klinische Gitarrensound, bei fast jedem Song klingt es so, als ob der Gitarrenkompressor voll aufgedreht wäre. Das hat absolut nichts mehr mit dem einstigen JUDAS PRIEST-Sound zu tun und das, wo es doch gerade für eine solche Band immer ein Markenzeichen war, einen guten Gitarrensound zu haben (die „Turbo"-Zeit mal ausgenommen). Gesanglich kann man Rob Halford nichts nachsagen, trotz seines hohen Alters singt er nach wie vor großartig. Bei den hohen Stimmlagen, die er früher bedient hat, muss ihm das erst mal einer nachmachen. Dennoch bemerkt man seine Zurückhaltung bei vielen Tracks, auch ein „Metalgod" wird nun mal älter.

Schön zu sehen, dass es JUDAS PRIEST, auch in der neuen Konstellation mit Richie Faulkner gelingt, gute Songs zu schreiben. Insgesamt dreizehn Stück haben es auf das Album geschafft, und für ganz Gierige gibt es in der Deluxe-Edition noch eine Bonus-CD mit fünf weiteren Tracks. „Redeemer Of Souls" ist zwar nicht das Killeralbum geworden, das ich mir erhofft habe, aber trotzdem ein starkes Album, das sich nicht zu verstecken braucht. Dennoch benötigt das Album ein paar Durchläufe, bis man richtig warm damit wird, mit seinen dreizehn Songs ist es ja auch wirklich umfangreich geworden. Die Band erfindet sich zwar nicht neu, aber das hätte wohl kaum ein Fan gewollt oder erwartet. Etwaige Experimente wie in der Vergangenheit lassen JUDAS PRIEST aus und beweisen auch 2014, dass sie den Titel „Metalgods" noch verdient haben. (Pascal)

Bewertung: 8 / 10


Anzahl der Songs: 13
Spielzeit: 61:31 min
Label: Sony
Veröffentlichungstermin: 11.07.2014

Wertung der Redaktion
Maik Andreas Klaus Rainer Anne Dirk  Katharina
8  4,5 6,5 5  6,5  5
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Pfaelzers Avatar
Pfaelzer antwortete auf das Thema: #13743 3 Jahre 7 Monate her
Des indressiert mi ois gar nedd, den Scheißdregg hoa Sgriiims konnster hinter´d Ohr´n schmier´n.

Klar ist das ein Stilmittel, das JUDAS PRIEST geprägt haben, dass man aber nur dann bringen sollte, wenn es passt. Der Ripper meinte, er müsse in jeden Songs 317 davon einbauen, damit hat er die Songs mehr zerstört, als es MALMSTENN mit seinem seinem Gedudel nicht fertig bringt. Ungefähr so nervig wie Kids, die partout bei jedem Konzert im Kreis rennen müssen, und damit jede Stimmung killen.

Der Sound ist wirklich ärgerlich, vor allem für eine Band, die mal mit "Painkiller" Maßstäbe setzte. Ich erwarte einfach, dass es da perfekt ist, dass alles auf den Punkt kommt, selbst, wenn man nicht mehr die Power früherer Tage hat. Wenn man den Bass und die Höhen voll reindreht, dadurch das Schlagzeug mehr rauskommt und schön laut macht, ist´s erträglich.

Aber was hier wirklich fehlt ist einfach der Biss, die Kraft, der Esprit. Wo sind Killerriffs wie in "The Electric Eye", Spannungsbogen der "Night Crawler"-Kategorie, Mördersoli in der Klasse von "Painkiller" und die großen Hymnen wie ""Love Bites" oder "Hell Bent for Leather". Das wirkt phasenweise gelangweilt, da fehlt die Leidenschaft... und egal, was Du im Leben anstellst, Leidenschaft ist das wichtigste!

Konnte man "Nostradamus" wenigstens als misslungenes Experiment einordnen, so ist das hier einfach eine nur streckenweise souveräne Platte. Von einer Band, die von Mitte der Siebziger bis zu Beginn der Neunziger fast ausnahmslos Klassiker veröffentlicht hat, MUSS man mehr erwarten.

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