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katla modurastinKATLA ist die neue Band von Ex-SÓLSTAFIR-Drummer Guðmundur Óli Pálmason, um den es nach seinem Rauswurf bei den Isländern erst einmal recht still war. Nun veröffentlicht er also sein erstes Album mit seinem neuen Projekt (bei nur 2 Personen von Band zu sprechen, fällt mir etwas schwer). Passend dazu scheint sich der gleichnamige isländische Vulkan Katla auch gerade wieder auf einen Ausbruch vorzubereiten. Wenn das mal kein gutes Omen ist, dann weiß ich auch nicht.

Und wenn man die Arbeiten von SÓLSTAFIR und den Anteil, den Guðmundur Óli Pálmason daran hatte, kennt, dann geht man auch mit entsprechend hohen Erwartungen an das erste Album des Exdrummers ran. Das nimmt sich zunächst einmal viel Zeit für ein stimmungsvolles Intro, namens „Aska“ (Asche), womit wir auch wieder beim Vulkan wären. Fast fünf Minuten Spielzeit gewährt man dem Intro, und diese Zeit wird auch benötigt, um ganz langsam und sachte Stimmung aufzubauen, die sich in „Hyldýpi“ zunächst fortsetzt. Hauptsächlich Gesang und Rhythmusgitarre genügen, um eine beklemmende Stimmung zu erzeugen, erst spät setzt auch das Schlagzeug ein und allerspätestens dann fühlt man sich an SÒLSTAFIR erinnert. Allerdings ist „Hyldýpi“ eine sanftere, weniger raumgreifende Version davon. Langsam nimmt das Stück Fahrt auf und entwickelt sich zu einem tollen atmosphärischen Song, wozu in großem Maße die Stimme von Einar Thorberg Guðmundsson beiträgt.

„Natthagi“ dagegen hat von Beginn an einen ordentlichen Drive, und hat im Grunde nur einen Fehler: Der Song ist zu kurz. „Natthagi“ könnte man problemlos in Endlosschleife hören. Tolle isländische Texte treffen auf Ohrwurmmelodien. Dass die Drums in diesem Stück relativ weit in den Vordergrund gemischt sind, trägt nur dazu bei, dass sich der Song immer tiefer in die Gehörgänge bohrt. Einfach nur ganz, ganz großartig. „Hvíla“ zieht da mit ruhigen Streicherparts deutlich die Bremse an und erinnert auch vom Gesang her stark an SÓLSTAFIR. „Hvíla“ gleitet sanft dahin und ist einfach ein Song zum Träumen.

„Hreggur“ beginnt zunächst sehr ruhig und sanft, greift noch einmal Elemente von „Hyldýpi“ auf und wächst dann zu einem harten und düsteren Stück das auf einen chaotischen Höhepunkt zusteuert, nur um dann wieder zu altem Rhythmus zurückzufinden und ebenso ruhig auszuklingen, wie es begonnen hat. Der Titelsong „Móðurástin“ beginnt zunächst sehr sanft nur mit Gitarre, bevor dann schon nach wenigen Sekunden wahre Soundwände über dem Hörer zusammenbrechen. Das Stück ist schnell, hart und brutal, die rohe Stimme von Einar Thorberg Guðmundsson trifft auf den sanften Gesang von Sylvia Guðmundsdóttir bevor das Stück mit sakral anmutenden Chören leise ausklingt. Auch dies ist ein fantastischer Song, der von seinen Gegensätzen lebt und sich deutlich von dem unterscheidet, was Guðmundur Óli Pálmason mit SÓLSTAFIR veröffentlicht hat.

„Kul“ schlägt da zunächst eine ganz andere Richtung ein. Der Song, der über weitere Strecken ein klavierbegleitetes Spoken-Word-Stück mit herzzerreißendem Text ist, wird erst spät von den übrigen Instrumenten begleitet. Dann allerdings wird dem Gesang kaum noch Platz eingeräumt und der Titel entwickelt sich zu einem schönen, melancholischen Stück.

Auch bei „Dulsmál“ wird das Stück durch Spoken-Word-Parts eingeleitet. Diese stammen nun allerdings aus dem Jahr 1934 und werden nur von düsteren Posaunen begleitet, bevor die übrigen Instrumente und auch Gesang einsetzen. „Dulsmál“ ist ein sehr schöner, melodischer Song, der tief ins Hirn eindringt, gleichförmig vor sich hin plätschert, dabei aber immer spannend bleibt, der sich immer weiter vorarbeitet und steigert, bis er endlich nach gut zehn Minuten seinen Klimax erreicht und als sanfter, gesangsbasierter Song ausklingt.

„Móðurástin“ erinnert natürlich an SÓLSTAFIR. Wie sollte es auch anders sein bei einem Album, das von einem Menschen stammt, der über die Jahre so viel Herzblut in SÓLSTAFIR gesteckt hat? Großartig anders zu klingen ist vermutlich auch gar nicht der Anspruch von KATLA. Dennoch ist dieses Album keine bloße Kopie, kein Abklatsch der ehemaligen Band. Im Gegenteil. Obwohl mir das letzte Album von SÓLSTAFIR auch gefällt, fehlt dieser Platte einfach das gewisse Etwas. Und das hat KATLA. „Móðurástin“ ist abwechslungsreicher, einfallsreicher und mit mehr Liebe zum Detail arrangiert. Wer SÓLSTAFIR mag, sollte auf jeden Fall auch in dieses Album reinhören. (Anne)

Bewertung:

Anne8,0 8 / 10

Anzahl der Songs: 8
Spielzeit: 55:02 min
Label: Prophecy Productions
Veröffentlichungstermin: 27.10.2017

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