prayingmantis legacyHäufig steht ja die gute alte "Was wäre gewesen..."-Frage im Raum, im Musikbusiness immer wieder gerne gestellt. Ob viele Bands in der NWOBHM so viel schwächer als IRON MAIDEN waren, ist ebenso fraglich, doch die Eisernen Jungfrauen hatten mehr Glück, ein besseres Management und boten ein Image, welches als Identifikation für die Fans Türen öffnete. Die Troy-Brüder hingegen kamen 1981 nach ihrem Debüt "Time Tells No Lies" ins Trudeln und bekamen in den Eighties kein Bein mehr auf die Erde, eine Single war die magere Ausbeute. Erst später, als der Zug lange abgefahren war, begannen sie regelmäßig neue Alben zu veröffentlichen, die bei den verbliebenen Anhängern gut ankamen. In den letzten Jahren ließ auch die die Schlagzahl nach, sechs Jahre muss man sich scheinbar gedulden, bis PRAYING MANTIS etwas Neues vorlegen. Wo reiht sich "Legacy" im Bandkanon ein?

Im Hinblick auf die eigene Vergangenheit lenken die ersten Keyboardfanfaren den Blick sofort in Richtung "Predator In Disguise". Als man die Scheibe 1991 nach zehnjähriger Veröffentlichungsschwangerschaft endlich auf den Markt hievte, waren die Fans ob des massiven Tasteneinsatzes schon ein wenig enttäuscht. Klar bewegten sich die Briten immer im Spannungsfeld von Melodic Rock, Hardrock und NWOBHM, doch das Comeback geriet selbst melodieverliebten Anhängern zu seicht. Das Hauptaugenmerk lag bei der Truppe immer auf den schönen, flüssigen Gitarrenläufen, welche damals etwas zu sehr im Hintergrund standen, und auch bei "Fight For Your Honour" muss man sich erst einmal auf die Suche nach ihnen begeben, doch sie schälen sich mit der Zeit heraus.

Noch mehr Kleister gibt es beim folgenden "The One", welches mit ruhiger Strophe aufwartet, und auch im Refrain nicht wirklich aus der Hüfte kommt. Von der Machart her hätte die Nummer auch auf "Destiny" ihrer NWOBHM-Weggefährten SAXON stehen können, einem Album, welches seinerzeit auch durchfiel. Doch es sind nicht die überpräsenten Fanfaren, bei dem Song zünden auch die Melodien nur bedingt. Das ändert sich dann glücklicherweise mit dem folgenden "Believable", in welchem die Melodien in bester Achtziger-Manier nach vorne laufen und nach ebenfalls etwas ruhiger Strophe spätestens mit der Bridge ihre süffige Wirkung entfalten.
Im Gegensatz zum etwas krude geratenen Vorgänger "Sanctuary" haben die Gebrüder Neophytou, wie sie bürgerlich heißen, wieder eine Schippe drauf legen können, vor allem dann, wenn sie das Spiel mit der Dynamik beherrschen. Besonders in "Eyes Of A Child" will ihnen das gelingen, wenn sich knackige Riffs mit ihren tollen Melodien abwechseln, die Tasten setzen hier mit Pianoklängen ein paar interessantere Akzente. Auch beim verhältnismäßig flotten "The Runner" geht ihr Einsatz über weich spülende Fanfaren hinaus, wenn sie gekonnt solieren dürfen.

Ansonsten wird mit Soli etwas gespart, meist begnügt man sich in der Songmitte mit einem Melodieschlenker, um das Strophe-Refrain-Schema aufzubrechen, was wiederum den Pop-Appeal etwas unterstreicht. Bei der schönen Halbballade "All I See" hat man ein gefühlvolles Gitarrensolo an das Ende des Stückes gestellt, welches ebenfalls von einem großen, raumgreifenden Chorus lebt. Hier kann seine Neuzugang Jaycee Cuipers am Mikro sein ganzes Können unter Beweis stellen. Mit dem düsteren, sphärischen "Better Man" und dem schnellen "Second Time Around" hat die Band zwei Titel am Start, die ebenfalls den traditionellen Anhängern munden dürften.
Was man bei aller songwriterischer Klasse und einem Melodieverständnis, von dem weitaus erfolgreichere Acts nur träumen können, abermals nicht hinbekommen hat, ist ein druckvolles Soundgewand. Irgendwie geht den Gitarren und den Drums bei allen Veröffentlichungen ein wenig das Volumen ab, was das Durchsetzen gegen die Keyboards zusätzlich erschwert. Das gleiche Problem hatten die stilistisch ähnlich gelagerten TEN auch, doch sie haben sich mit Dennis Ward kompetente Hilfe geholt, der ihnen ein besseres Soundgewand schneiderte. Vielleicht sollten sich von ihren Landsleuten die Durchwahl nach Karlsruhe geben lassen. Trotz der Kritikpunkte ist "Legacy" dennoch ein Pflichtkauf für die Fans dieser Combo, die scheinbar nicht klein zu kriegen ist. (Pfälzer)

Bewertung: 7 / 10

Anzahl der Songs: 11
Spielzeit: 57:22 min
Label: Frontiers Records
Veröffentlichungstermin: 21.08.2015

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